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Drei Wochen ihres Ausbildungslebens

Wer den landwirtschaftlichen Meisterkurs an einer Fachschule besucht, nimmt an mehreren Blockseminaren im Bildungshaus Kloster St. Ulrich teil. Es geht um unternehmerisches Denken, persönliche Weiterentwicklung und Teambuilding. Die Themen und Methoden sind vielfältig.

Die sogenannten Fachschulwochen in St. Ulrich sind ein zentraler Bestandteil der Ausbildung angehender Landwirtschaftsmeisterinnen und -meister. Insgesamt drei Wochen – unterteilt in jeweils einwöchige Seminarblöcke – verbringen die Klassen der Fachschulen in Donaueschingen und vom Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Emmendingen-Hochburg im Bildungshaus Kloster St. Ulrich, das seit Jahrzehnten ein Ort der Weiterbildung und Inspiration ist. Das Ziel: Kompetenzen werden geschärft  und die eigene Persönlichkeit weiterentwickelt.

Erfahrungen wie diese stärken das Gemeinschaftsgefühl: Während einer Betriebsbesichtigung bei Bad Krozingen haben die Schüler zum Spaten gegriffen, um sich von der Ackerwertzahl zu überzeugen.

Alles für die Praxis

Die Weiterbildung soll unternehmerisches Denken für die landwirtschaftliche Praxis fördern. Es geht um Schlüsselkompetenzen wie  Selbstpräsentation oder die eigene Kommunikationsfähigkeit. Wer etwas verändern möchte, braucht bestimmte Kompetenzen, die in den Wochenseminaren gestärkt werden.
Es geht nicht um klassische Fachthemen, sondern etwa um Öffentlichkeitsarbeit und Mitarbeiterführung. Wer darin erfolgreich sein möchte, braucht eine gute Selbstorganisation und -reflexion. Die Persönlichkeitsentwicklung ist Teil der Fachschulwochen, ebenso wie die eigene und betriebliche Resilienz. Die Rhetorik, Konfliktfähigkeit und das eigene Zeitmanagement werden praxisnah geübt. „Die Wochen in St. Ulrich sind ein wichtiger Baustein im Laufe der Weiterbildung zum Wirtschafter oder Meister. Wenn nicht sogar der Wichtigste“, betont Andreas Deyer, Vorsitzender des BLHV-Bildungsausschusses.

Die Wochen im Einzelnen

Die erste Woche der Fachschulwochen widmet sich der Persönlichkeitsentwicklung. Dabei stehen Themen wie Teamentwicklung, Feedbackkultur, gewaltfreie Kommunikation und die Partnerschaft auf einem landwirtschaftlichen Betrieb im Mittelpunkt. Die Reflexion über das eigene Selbstverständnis und die Wirkung auf andere stehen im Vordergrund. Praxisnah werden die Teilnehmenden etwa in der Gestaltung von Öffentlichkeitsarbeit geschult und lernen, wie sie sich erfolgreich präsentieren können.

In der zweiten Woche geht es um Resilienz und die Visualisierung der eigenen Lebenslinie. Außerdem wird in die Betriebsführung eingeführt, was in der dritten Woche vertieft wird. Es geht darum, Kenntnisse in Mitarbeiterführung, Personalaufgaben, Unterweisungsmethoden und Konfliktmanagement zu erlernen.

Rollenspiele, Kickboxen und ein Paarabend

Eine der Besonderheiten der Fachschulwochen ist die Vielfalt der angewandten Methoden. So werden beispielsweise Übungsszenarien durchgespielt: Wie weise ich meinen Vater in die Bedienung eines neuen Melkroboters ein? Wie schule ich meine Mitarbeiterin auf ein neues Kassensystem im Hofladen und wie reagiere ich, wenn mein Mitarbeiter einen Fehler gemacht hat? Es wird auch kreativ. Übungen und Spiele zur Teamentwicklung lassen Gestaltungsräume. Danach wird die eigene Rolle im Team reflektiert und es geht darum, Feedback zu geben und anzunehmen.

Das Programm geht über den Schulungsraum in St. Ulrich hinaus. Beim Kickboxen lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sich in einem ungewohnten Kontext zu behaupten. Beim sogenannten Paarabend wird das Zusammenspiel von Beziehung, Ehe, Familienkonstellation und landwirtschaftlichem Betrieb intensiv beleuchtet.

Die Fachschulwochen im Bildungshaus Kloster St. Ulrich  schaffen die Grundlage für den Erfolg angehender Landwirtschaftsmeisterinnen und -meister. Wer diese Wochen erlebt hat, wird sie als prägende Zeit in Erinnerung behalten und sie als  Meilenstein auf dem Weg der beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung empfinden – vorausgesetzt, man hat sich darauf eingelassen.

Michaela Schöttner/red

Wie wichtig sind die Fachschulwochen?

14 Schülerinnen und Schüler besuchen den ökologischen Meisterkurs am Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Emmendingen-Hochburg. wirlandwirten hat sie bei ihrer zweiten Woche im Bildungshaus Kloster St. Ulrich begleitet. Wie erleben die Teilnehmenden die Zeit dort? Was motiviert sie und welche Themen halten sie für besonders wichtig?

Alexander Piotrowski resümiert, es sei wichtig, neue Konzepte für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln, genauso wie der Umgang mit den Mitarbeitern. Aber: „Wir müssen auch lernen, nicht nur auf unsere Mitmenschen zu achten. Gerade in der Landwirtschaft ist es wichtig, dass man auch auf sich selbst aufpasst, damit man nicht unter die Räder kommt.“ Daniel Oberbeckmann ergänzt: „Wir beschäftigen uns hier mit unseren Zielen. Daran kann man sich festhalten, wenn man in einer Situation ist, in der man nicht weiter weiß.“ Das ganze Video gibt es auf dem Instagramkanal von wirlandwirten zu sehen unter: www.kurzelinks.de/eb5x

Anna Schmitz

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